50 Jahre Literaturwerk Rheinland-Pfalz-Saar e.V.
Eine kleine Historie
„Mehr als das Blei in den Kugeln hat das Blei in den Setzkästen die Welt verändert.“
Georg Christoph Lichtenberg (zugeschrieben)
Rheinland-Pfalz und das Saarland sind Literaturländer. Das Literaturwerk Rheinland-Pfalz-Saar e.V., das in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiert, gehört zu den ältesten literarischen Interessenvertretungen dieser Regionen. Gemeinsam mit seinen Vorläufern, den Mitte der 1970er Jahre im Saarland und Rheinland-Pfalz gegründeten sog. FÖKs (Förderkreise für Schriftsteller) stellt es eine wichtige länderübergreifende Institution dar, die vieles bewirkt und in die Wege geleitet hat und dies auch in Zukunft tun wird.
Die Anfänge
Nach dem zerstörerischen Zweiten Weltkrieg erwuchs langsam wieder das literarische Leben in Deutschland und den einzelnen Bundesländern. In „Blätter zum Land“, Ausgabe 4/1999 beispielsweise wird die Geschichte der rheinland-pfälzischen Literatur nach der so genannten „Stunde Null“ nachempfunden. Berühmte Namen dieser Zeit sind Anna Seghers aus Mainz und Carl Zuckmayer aus Nackenheim, die jedoch nicht in die rheinland-pfälzische Heimat zurückkehrten. Gustav Regler und Werner Reinert stehen für Beispiele aus dem Saarland.
Der Verband deutscher Schriftsteller (VS)
Nach Gründung des nationalen Schriftstellerverbands (VS) im Jahr 1969 wurde ein neues Kapitel der deutschen Literaturgeschichte aufgeschlagen: die bereits existierenden Schriftstellerverbände in den einzelnen Bundesländern wurden Teil des bundesdeutschen Verbandes. Damit begann auch in Rheinland-Pfalz und dem Saarland eine neue literarische Phase. Als der VS in die IG Druck und Papier eintrat, wurden in allen Bundesländern Förderkreise (FÖK) ins Leben gerufen, so auch in Rheinland-Pfalz und dem Saarland, dessen Förderkreis ab 1987 den Namen Literaturwerk Saar trug. Aufgabe dieser Organisationen war es, die unterschiedliche Literaturförderung in den einzelnen Bundesländern durchschaubar zu machen, zu koordinieren, länderübergreifende Projekte zu ermöglichen und Sponsoren zu akquirieren.
Die Förderkreise verstanden sich von Anfang an als explizit demokratische und interkulturelle Organisationen. Dazu ein Auszug aus der Satzung des rheinland-pfälzischen FÖK: „Er dient der Förderung internationaler Beziehungen, der Toleranz auf den Gebieten der Kultur und des Gedankens der Völkerverständigung, der Pflege des guten Willens zum Frieden unter den Völkern.“ Ein Diktum, das der Nachfolger, das jetzige Literaturwerk Rheinland-Pfalz-Saar, weiterhin verwirklicht.
Die Aktivitäten waren vielfältig. Der saarländische FÖK z.B. förderte Lesungen und literarische Publikationen, in Rheinland-Pfalz etwa zeichnete der dortige FÖK 1989 zusammen mit dem VS erstmals das Buch des Jahres mit Bezug zur Region aus. Drei Jahre später wurden die ersten rheinland-pfälzischen Literaturtage ins Leben gerufen.
Die Umbenennung
Aus dem ursprünglichen Förderkreis Rheinland-Pfalz und dem Literaturwerk Saar entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten eine länderübergreifende Institution: 2009 gingen beide im neugegründeten Literaturwerk Rheinland-Pfalz-Saar e.V. auf. Diese Entwicklung spiegelt den Anspruch wider, literarische Arbeit über Landesgrenzen hinaus zu verankern und zugleich offen, vernetzt und zeitgemäß zu gestalten.
„Der FÖK ist tot, es lebe das Literaturwerk Rheinland-Pfalz-Saar!“, verkündete der damalige Vorsitzende des Literaturwerks Andreas Dury im ersten Mitgliederbrief im Januar 2009.
Das Literaturwerk hält auch fortan an seinen Zielen fest:
„Das Literaturwerk fördert die rheinland-pfälzische und saarländische Literatur sowie die Vernetzung der Autorinnen und Autoren. In diesem Sinn versteht sich das Literaturwerk als Brückenbauerin zwischen Literatur, Verlagswesen, Buchhandel, Politik und den Autorinnen und Autoren. Es organisiert und fördert Literaturveranstaltungen, Seminare und Wettbewerbe.Stets wurde die Kommunikation mit politisch Verantwortlichen angestrebt, was konkrete Ergebnisse zeitigte.“
Das Literaturwerk nutzt – wie die Vorgängerorganisationen — die guten Kontakte zu literarischen Gruppen und Initiativen, sowie zu Verlegern und Buchhändlern. Gemeinsam mit den Kulturämtern der Landkreise und Kommunen öffnen sich Türen für literarische Begegnungen zwischen Autor*innen und Leser*innen.
Erfolge
Seit 1992 haben bereits 15 Mal Rheinland-Pfälzische Literaturtage stattgefunden. Die ersten beiden Literaturtage fanden in Kaiserslautern statt, die dritten 1996 in Koblenz. Stets waren namhafte literarische Vertreter*innen eingeladen, so nahm an der Diskussionsrunde „Frieden schaffen mit und ohne Waffen“ die spätere Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller teil.
Ein fulminanter Erfolg waren die im Mai 2011 stattfindenden 10. Rheinland-Pfälzischen Literaturtage auf dem Gelände der Koblenzer Bundesgartenschau. Die Eröffnungsrede hielt Walter Schumacher, damals Staatssekretär des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur.Prominentester Teilnehmer war der beliebte TV-Moderator und vielfach preisgekrönte Autor Roger Willemsen.
In Zusammenarbeit mit den Schriftstellerverbänden im Saarland und Rheinland-Pfalz wurden wiederholt Wochenendseminare für Schreibende im saarländischen Kirkel durchgeführt, ebenso Tagesseminare im saarländischen Künstlerhaus in Saarbrücken, so zum Beispiel Sprechtraining für Autorinnen und Autoren oder auch eine Veranstaltung zum hundertjährigen DADA-Jubiläum.
Seit fünf Jahrzehnten nun fördern das Literaturwerk Rheinland-Pfalz-Saar und seine Vorläufer zeitgenössische Literatur, unterstützen Autorinnen und Autoren in unterschiedlichen Phasen ihres Schaffens und bringen Literatur in den öffentlichen Raum. Lesungen, Werkstätten, Publikationen sowie Kooperationen mit kulturellen und bildungspolitischen Partnern prägen das kontinuierliche Engagement. Besonders hervorzuheben ist auch der seit 2013 alle zwei Jahre stattfindende Wettbewerb „Debüt des Jahres“, mit dem Schreibende bzw. Werke mit Regionalbezug gefördert werden.
Das Literaturwerk Rheinland-Pfalz-Saar nimmt regelmäßig an Büchermessen in der Region teil, so etwa an der Koblenzer Buchmesse und der Mainzer Büchermesse.
Das diesjährige Jubiläumsjahr 2026 bietet Anlass, die Geschichte des Literaturwerks sichtbar zu machen, aktuelle literarische Positionen aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland zu präsentieren und Perspektiven für die zukünftige Literaturförderung zu eröffnen.
„Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf.“
Kurt Tucholsky